ein paar Worte (die ich schon in einem anderen Forum geschrieben habe) möchte ich natürlich ebenfalls dazu verlieren...
Zuerst beginne ich einmal damit, dass der Titel des Threads ganz bewusst mit einem Fragezeichen endet.
Denn…
…erstens kann ich trotz meiner Recherche im Internet niemals sicher davon ausgehen, dass nicht irgendjemand irgendwo und irgendwann einen noch längeren LEGO Zug gebaut hat, der tatsächlich auch gefahren ist.
…zweitens, und daraus habe ich nie einen Hehl gemacht, werden verschiedene Kleriker im Namen der TLC kritisieren, dass meine Bauten nicht entsprechend der absolutistischen Einheitslehre des Konzerns errichtet wurden. Deshalb auch die hoffentlich korrekte Kennzeichnung des Beitrags nach den Foren Regeln. Näheres im Fließtext.
…drittens erhebe ich keinerlei Anspruch auf einen Titel wie ihn z.B. Guinness World Records vergibt oder für den ich ggfs. bezahlen müsste, damit jemand kontrolliert und nach seinen Maßstäben bewertet was ich gebaut habe.
Zum ersten Punkt möchte ich sagen, dass ich schon recht bald nach meinen „dark ages“ den längsten LEGO Zug der Welt oft gegoogelt habe. Die Suche war sowohl Mitgrund für meine aufkeimende Bau- und Sammelleidenschaft als auch Ansporn einmal so etwas auf die Beine zu stellen.
Als Treffer habe ich damals schon einen Thread hier im Forum gefunden, in dem wiederum verschiedene Bilder und Videos verlinkt sind, die aus den frühen 2000er Jahren stammen. Deshalb hieß es schon anno 2011 dort „do you remember???“. Seitdem läuft unter dieser Rubrik nicht mehr viel mit Rekordfahrten:
Eine weitere Informationsquelle ist die Seite von REKORD-KLUB SAXONIA (recordholders.org) mit vielen Links zur bemerkenswerten (Rekord-)Bauwerken aus Lego, die scheinbar nicht unbedingt einem Bedingungswerk entsprechen müssen um dort Erwähnung zu finden. So finden sich unter der Rubrik für den längsten Modellzug verschiedene Ansätze zur Umsetzung. Scheinbar wird aber die Homepage nicht mehr gepflegt bzw. entsteht nichts was neu aufgelistet werden könnte.
Oder unvergessen der wahrscheinlich längste gezogene Maersk-Zug mit der Dampflok von Udo auf der Bricking Bavaria 2016.
Ich habe mich oft gefragt ob es die Begeisterung nicht mehr gibt für solche Rekorde. Bis dann ein Junge aus Neuseeland 2022 mit etwa 25 Metern aus 60197 Wagen einen neuen Rekord nach Regeln aufgestellt hat, die offenbar denen des „Guinness Buches“ entsprechen. Hut ab für seine Umsetzung. Ehrlich. Aber mir persönlich ist das zu sehr „von der Stange“.
Womit ich bei den zugrunde liegenden Regeln angekommen bin.
Die exakten Standards von Guinness Records kenne ich nicht. Soweit ich weiß, reicht es aus eine gerade Strecke über die der Zug seine eigene Gesamtlänge per Magnetkupplung einmal gezogen wird. Ganz bestimmt muss für diese Art Rekord alles was dafür benutzt wird von TLC stammen. Vielleicht müssen sogar unter Klageandrohung unveränderte Wagen aus Lego-Sets verwendet werden, damit sicher gestellt bleibt, dass die Kasse in Billund klingelt.
Das finde ich erstens „stinklangweilig“ und zweitens bin ich allein schon wegen Verwendung von Kugellagern oder LiPo‘s raus und weil bei mir halt nix von der Stange ist. Womit ich ja nicht alleine bin. Außerdem dürfte wohl auch keine Konzernfremde Software benutzt werden um z.B. Motoren zu synchronisieren etc. Und selbst wenn das alles unproblematisch wäre, bleibt noch das Problem mit Fremdteilen, die ich zwar zu >95% vermeide, die ich aber auch nicht per se verteufle, wenn es schlicht und einfach um Verfügbarkeits- und Preisfragen geht. Da bin ich pragmatisch – aber auch ehrlich.
„Spaß ist für mich, was in erster Linie mir Spaß macht“. Der Spaß wird mir leider immer dann verdorben, wenn ihm Konventionen im Weg stehen an die ich mich vermeintlich halten muss um nach den Maßstäben anderer Spaß haben zu dürfen. Umgekehrt fordere ich niemanden dazu auf zu mögen was ich mag und zwinge keinen dazu sich meinen Vorstellungen unterzuordnen. Leben und leben lassen trifft’s wohl am besten.
Also BITTE – ich schildere hier meinen Ansatz offen und ehrlich um genau eines zu vermeiden: eine Grundsatzdiskussion hier im Forum um das was sein darf und was nicht. Wir ersaufen eh schon über alle Lebensbereiche hinweg in Bürokratie und Bevormundung. Für meinen Teil braucht’s das nicht bei Spaß und Spiel.
Genug mit dem Geschwafel. Zeit für ein paar Fakten.
Die Loks
...sind zumindest für alle, die nicht nur hier im Forum sind vermutlich "alte Bekannte". Sie bestehen jeweils aus 4.444 Einzelteilen laut meiner LDD Teileliste. +/- ein paar, die ich beim Bau eventuell doch noch geändert habe. Die EMD DDA40X Centennials sind in der gelben Variante tatsächlich historisch von Union Pacific genutzte Lokomotiven. Sie sind 112 Noppen bzw. fast 90cm lang, werden von je 4 PU Motoren angetrieben und wiegen mit je zwei 11,1V LiPo Akkus rund 3,5 Kilo pro Stück. Steuerung läuft per BAP (Brick Automation Project) an 2 Notebooks via Bluetooth.
Die Kohlewaggons
...sind den Rotary Aluminum Gondola Wagen von BNSF nachempfunden. Keine 1:1 Kopien einer Baureihe, aber z.B. sind die Anzahl der Verstrebungen identisch und auch der halb-röhrenförmige Ablademechanismus an der Unterseite ist angedeutet. Genau hier habe ich in der Weise gefrevelt, dass ich 288 Elemente mit Lack von reddish brown auf schwarz verändert habe. Wer es nicht weiß, der würde es nicht sehen. Die Wagen sind 62 Noppen bzw. etwas mehr als 49cm lang. Sie sind aufgrund der angedeuteten Kohlestücke aus Käseecken recht Teile-intensiv und aus achtzehnhundertsechzig (…dreimal pfui! Nur der FCB!) Parts gefertigt. Kleiner Spaß: die Käseecken sind so angeordnet, dass nie eine nebeneinander liegende in die gleiche Richtung zeigt. Die „Kohle“ wurde übrigens aus sehr tiefen Schichten gefördert. Deshalb haben sich bei hohem Druck rosa Diamanten gebildet, die sich unter das Material gemischt haben.
Die Whale Belly Waggons
...hat es tatsächlich in der Bauweise in den USA gegeben. Mit acht Achsen und gigantischer Kapazität. Zwei Varianten sind mir bekannt. Die UTLX 83699 Variante und die etwas größere GATX 96500. Auch wenn sie sich aus Sorge vor Unfallrisiken nicht im Echtbetrieb durchgesetzt haben, sind sie für mich ein tolles Beispiel dafür was Kreativität gepaart mit etwas Gigantomanie hervorbringen kann. Diese Geräte sind 90 Noppen oder 72cm lang, bringen je 1.808 Gramm auf die Waage und bestehen auf 1.746 Teilen. Weil es auch hier gut passt: Für die Reling, die sich entlang der Wagen zieht habe ich z.B. Alu-Röhrchen verwendet und gebogen. Schlicht, weil ich keine 28 Meter Lego-Stangen in Grau gefunden habe die zur Umsetzung getaugt hätten. Auch habe ich gebrauchte rote, gelbe und rosa Zaunelemente silbern lackiert für das Laufgitter.
Die Double-Stack Intermodel Railcars
...von TTX mit gestapelten Containern finden sich auf dem Nordamerikanischen Kontinent recht häufig bei langen Güterzügen. Dabei werden zwischen den innen liegenden Waggons Jakobs-Drehgestelle verbaut. Das habe ich auch umgesetzt. Je vier Waggons sind mit drei solchen Drehgestellen gekoppelt. Nur der jeweils erste und vierte Waggon hat Magnetpuffer. Somit haben die innen liegenden Waggons etwas weniger Gewicht / Länge als die äußeren. Jedes 4er Gespann ist somit 3.635 Gramm schwer, besteht aus 2700 Teilen und ist nach einer kleinen Änderung bei meinen ursprünglichen Drehgestellen jetzt 237 Noppen bzw. 189cm lang. Basis für den Bau insbesondere der Containerseiten 23405 waren hier tatsächlich Teile eines anderen Herstellers in Ermangelung von über 600 Teilen in einheitlicher und gefälliger Farbe. Inzwischen gibt es die in rot, aber deswegen schmeiß ich nicht weg, was ich schon habe.
Achsen
...sind es in Summe 348 Stück. Alles auf Basis des guten Achshalters 2878 mit den 57878 Rädern. Ich habe in jeder Achse 2 Kugellager verbaut, die mit Madenschrauben sozusagen eingestellt wurden. Dämlich ist nur, dass meine original Lego Metallachsen "ums Arschlecken" bzw. ohne Gewalt nicht durch die Kugellager passen und ich deshalb alternative Achsen nutzen muss obwohl ich Unmengen von den Originalen habe. Hebe ich mal auf für eventuelle Rekordversuche nach Regelwerk.
Kupplungen
Die würden mit den Lego Magneten alleine niemals unter den entstehendenZugkräften halten. Deshalb sind Magnete immer oben und unten an den vorhandenen Noppen mit 2412b Gitterteilen aneinander fixiert (hier hat bei der Entwicklung der Puffer wirklich jemand mitgedacht). Aber auch sonst mangelt es nicht an Ideen. Unter den Whale Belly Waggons sind Gelenke aus 3639 + 3640 verbaut für die je 4-achsigen Drehgestelle zu realisieren. Die halten bombensicher. Zwischen den Loks habe ich Technic-Kupplungen gebaut, weil die selbst bei weiten Kurven noch ausscheren…
Der Ganzzug ist über alles ist 44,144 Meter lang. Oder umgerechnet 5.518 Noppen.
Ungefähr. Denn erstaunlich finde ich ein Phänomen: Wenn man am ersten Wagen anzieht, dann streckt sich alles um ca. 3-4cm bis der letzte Waggon losrollt. Ergo: Lego ist scheinbar ein flexibles Produkt, auch wenn ich das nicht dachte als ich zuletzt barfuß auf einen Stein getreten bin…
Das Gewicht liegt bei gewogenen 109 Kilo. Was ich selbst nicht erwartet hätte.
Die Teileanzahl beträgt rund 120500 +/- ein paar die beim Bau abgewichen sind von der LDD Vorlage. Tendenziell sind es eher mehr, weil ich dazu neige etwas doppelt zu verstärken was nicht 100% hält.
Mir hat es Spaß gemacht und ich habe mir einen Traum erfüllt. Beim Auf- und Abbau bzw. am Steuerpult stand mein Sohn, ohne den es nur halb so viel Spaß gemacht hätte und ohne den ich es nicht hätte realisieren können. Danke Dir, Räuber!
Das war's.
Ein GUTES NEUES JAHR 2026 an Euch alle!
Bleibt gesund, bleibt locker und habt Spaß an unserem schönen Hobby.
Schreibt gerne hier oder bei youtube ein paar Kommentare / Lob oder Kritik und lasst einen Daumen hoch da, wenn's Euch gefällt.
das ist wirklich ein sehr beeindruckender Zug der Superlative, vielleicht möchtest du auch wenn du der Fremdteile wegen nicht beim „MOC des Montas“ teilnehmen kannst dennoch mit ein paar Fotos die einzelnen Züge und Wagons hier auf 1000Steine vorstellen, ich bin sehr interessiert an deinem Meisterwerk.
Ich habe schon ein paar sehr lange Klemmbaustein Züge gesehen aber ich würde behaupten (ohne es besser zu wissen) das deiner der längte ist der noch auf regulären Schienen fahren kann.
Ich hoffe das Vorhaben den Zug zu verlängern ist noch nicht abgeschlossen, ich habe das Gefühl das er durchaus noch ein paar Meter länger werden kann.
Besonders gefallen mir die Flüssigtransport-Wagen mit ihrer gestuften Unterseite, eine überaus gute Lösung. Ich hoffe wir sehen hier noch mehr tolle Beiträge von dir, hab weiterhin viel Spaß beim Bauen mit deinen Sohn zusammen.
Mit freundlichen Grüßen
Christian
„Die Kreativität ist unbezahlbar und unendlich – leider ist LEGO nicht unentgeltlich und somit endlich.“
Am wichtigsten ist es Kreativ zu bleiben und Spaß zu haben, das vereint uns in unserem Hobby.
ob es nun die Längste ist oder nicht, deine Eisenbahn ist toll!
Ich kann aber nicht anders, als darauf hinzuweissen, dass Diamanten (egal welcher Farbe) NICHT aus Kohle entstehen.
(Ja ich weiß, Dagobert hat das Kohlegebiet und Erdnüsse gekauft.)
Hallo Rouven,
Mit Deiner Bahn würde ich gerne mitfahren!
Bist Du dafür extra umgezogen oder stehen jetzt alle Möbel im Keller?
Einfach grandios. Wie lange hat das Aufbauen gedauert?
Ganz zu schweigen vom Bauen der einzelnen Wagons. Ganz besonders gut gefällt mir, dass es eben nicht alles einheiltiche Wagons sind. So lang sind die Züge nicht, die bei uns vorbeirattern! Und so schöne Loks haben die auch nicht.
Dir und Deinem Sohn noch viel Spaß damit.
Marit